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Susanne van Leeuwen

Am 26. August brach für uns der Tag an, an den kein Pferdebesitzer denken will. An diesem Tag erreichte uns telefonisch unerwartet die schreckliche Nachricht, dass ein Ende der schönen Zeit gekommen ist, die unser lieber Oskar auf dem Gnadenhof der Familie Lübbers  verbringen durfte. Nach mindestens 31 Jahren ist unser Okje nicht mehr.

Doch muss man sich Gedanken über diesen Tag machen, schließlich bricht er früher oder später für jeden an. Man hat nicht über alles das Sagen. Man kann nicht über das Wann und  Wo bestimmen. Obwohl es natürlich niemals eine wirkliche gute Art gibt und obwohl jeder Zeitpunkt der falsche Zeitpunkt ist, hätten wir das Verscheiden von unseren Okje selbst niemals besser planen können.  Er hat noch den ganzen Sommer erlebt, er war gesund, sein so vertrautes dickes Bäuchlein wölbte sich über seinen Spagetti-Beinen. Er sah wunderbar aus mit seinem immer glänzendem Sommerfell.

Ein langes Krankenbett ist ihm erspart geblieben und auch die steifen Beine, die er bei Kälte und Regen immer bekommt. Die größte Entscheidung wurde uns aus den Händen genommen, wir mussten nicht hin und her überlegen oder Hals über Kopf  nach Drenthe abreisen. Oskar hatte eine Gehirnblutung und fiel einfach auf der Weide um.

Er brauchte auch nicht lange alleine und hilflos auf er Weide zu liegen, der Tierarzt wurde sofort verständigt. So konnte er im Kreise seiner Freunde von der Weide und den Menschen, die ihn in den letzten Jahren liebevoll versorgt haben,  in Ruhe einschlafen.

Und dann?

Dann beginnt  jener Teil, den man wohl planen kann. Was passiert jetzt mit dem Kameraden, dem Du  zu Lebzeiten immer nur das Beste gegönnt hast? Du hast ihn doch nicht ohne Grund bei Familie Lubbers untergebracht, wo das Stroh in den Boxen auch wirklich jeden Tag frisch ist. Wo er nach Herzenslust Gras fressen konnte, wo er auf der Weide der dicken Pferde sein konnte um Hufprobleme zu vermeiden. Ja genau, Du  weißt wie wir ein Ding ganz sicher – Dein liebes Pferd kommt nicht zum Fleischhauer. Natürlich darf auch kein Hunde- oder Katzenfutter aus ihm gemacht werden, ganz bestimmt nicht wenn Du selbst auch Hunde und Katzen hast. Leider darfst Du dein Pferd aber auch nicht im Garten begraben.

Glücklicherweise gibt es jetzt eine Alternative, Pferdekrematorium Westerhout in Beverwijk. Danach bestand auch wirklich schon lange Bedarf, da die meisten Tierkrematorien zu klein für Pferde sind. Bei einem Pferd treten einfach schon wegen der Größe praktische Probleme beim Planen eines würdevollen Abschieds auf.  Aber dieses Krematorium hat für alles eine gute Lösung gefunden. Wirklich besonders gut fand ich die Lösung für das Transportieren des Pferdes:  Ein Trailer mit einer Art herausnehmbaren Platte wo das Pferd raufgerollt werden kann. Die Platte wird dann wieder  in den Trailer geschoben.  Kein Getue mit Gabelstaplern und kein Gezerre mit Seilen.

Auch vor den Kosten muss man keine Angst haben, vor allem wenn man sieht, was man dafür alles zurückbekommt. Du hoffst, dass Dein Pferd für immer bei Dir bleibt und dafür hast Du alles Geld der Welt übrig. Aber wenn es doch hingehen muss,  kannst du ihm (und Dir)  einen guten Abschied gönnen. Und das für die Kosten von ein paar Monaten Einstellen. Es ist das Sparen wert.

Das Krematorium zeichnet sich durch persönliche Betreuung und die Fachkenntnis zur Regelung der Dinge aus. Die Versorgung von Oskar durch die Familie Lubbers ging nahtlos über in die Versorgung durch die Besitzer des Krematoriums. Das fiel mir im angenehm kühlen Abschiedsraum auf, wo Oskar mit frisch ausgeschnittenen Hufen auf einem schönen goldgelben Strohballen lag. Gerade als ob er in seinem eigenen Stall liege würde. Es sind wirklich Menschen, denen du dein Pferd auch zu Lebzeiten anvertrauen würdest. Die Inspiration für ihre Arbeit kommt aus der Liebe zu ihren eigenen Pferden.

Du kannst sie alles fragen und alle Wünsche mit ihnen besprechen. Sie können zum Beispiel die Asche auf dem Meer verstreuen. Aber wir haben unseren  Okje mit nach Hause genommen, weil er gar nicht schwimmen konnte. Manchmal hatte er sogar schon vor einer großen Pfütze Angst. Wir haben selbst ein Stück Land bei unserem Haus und wenn das Wetter wieder schön ist, lassen wir ihn auf unserem eigenen Land frei. Denn es gibt nichts Schöneres als, als dein Pferd wieder zu Hause zu haben.  Und – auf dem ewigen Grasland bekommt er seinen eigenen Apfelbaum und eine Trauerweide, beides findet er wunderbar.

Leb wohl Okje, leb wohl knechie, leb wohl mannetje.